RPG: HarmonQuest

By | 3. März 2017

Woo, erstes Posting im neuen, deutschsprachigen Blog. Ich hoffe, jetzt wieder regelmäßig zu schreiben.

Heute habe ich wegen eines Handwerkerbesuchs einen Tag Home Office eingelegt. Da man bei meinem Job sich gut nebenher berieseln lassen kann, und ich zwei Monitore habe, habe ich heute die Gelegenheit genutzt und mir mal HarmonQuest anzuschauen. Was soll ich sagen, 10 Folgen später bin ich eigentlich ziemlich begeistert, lustige Unterhaltung für Rollenspieler.

Aber was genau ist das eigentlich? Es handelt sich um eine amerikanische Serie mit 30-minütigen Folgen, in der drei Comedians mit jeweils einem (und im Finale zwei) Gaststar eine Pathfinder-Runde spielen. Also genau das richtige für mich als Pathfinder-GM.

Actual Play/Animations-Hybride

Bei den Comedians handelt es sich um die hierzulande sicher unbekannten Dan Harmon (Showrunner der Serie Community und Namensgeber), Erin McGathy und Jeff B. Davis. Der Spielleiter ist Spencer Crittenden, der so nerdig aussieht, wie man sich einen Spielleiter nur vorstellen kann. Das ganze findet als Actual Play vor einem Publikum statt, und es werden verdammt wenig Cheetos gegessen. Ich habe mal in Kalifornien an einer Runde Dungeons&Dragons teilgenommen, und seitdem ist Rollenspiel in den USA für mich ganz eng mit dem übermäßigen Verzehr von Cheetos verknüpft, bis die Finger orange sind.

Die volle Besetzung von Episode 1.

Die drei Hauptcharaktere sind:

  • Dan Harmon als Fondue Zoobag, ein halb-orkischer Waldläufer
  • Erin McGathy als halb-elfische Barbararin Beor O’Shift
  • Jeff B. Davis als Goblin-Schurke Boneweevil
PCs von HarmonQuest

Die drei PCs

Die Gaststars spielen jeweils einen NPC, und bis auf wenige Ausnahmen überleben die meisten dieser NPCs nicht. Im Finale gibt es sogar mal einen auch bei uns bekannten Star, nämlich Nathan Fillion, bekannt aus Firefly und Castle.

Das Actual Play kriegt man nicht ganz so viel mit, denn der Clue an HarmonQuest ist, dass alle Aktionen als Animation dargestellt werden. Man hört also, was die Charaktere machen, und sieht das ganze direkt als Zeichentrick. Wie bei einer Besetzung mit Comedians zu erwarten ist, ist das ganze sehr überzogen und definitiv nicht ernst zu nehmen.

Die Story bietet so alles an Tropes, was man sich vorstellen kann, in der die drei etwas trotteligen Helden trotz allem die Welt retten. Das Ende der Story war überraschend ernst und packend. Die Gaststars haben so gut wie durchgehend keine Erfahrung mit Rollenspiel, improvisieren aber direkt fleissig mit. Manche Gags in den einzelnen Folgen sind schwach, aber bei vielen habe ich laut losgelacht.

Richtiges Rollenspiel?

Wer hier erwartet, dass man hier richtigen Rollenspieler zuschauen kann, der wird enttäuscht, denn mit einer echten Pathfinder-Runde hat dies wenig zu tun.  Zwar haben alle Spieler einen Charakterbogen vorliegen, aber man kriegt z.B. nie mit, welche Stufe die Charaktere haben. Die Kämpfe sind ansprechend animiert, aber der einzige, der hier würfelt (wenn überhaupt) ist der Spielleiter. Das ist sicherlich auch dem Format geschuldet, denn in 30 Minuten eine Session runterzuspulen erfordert Abstriche. Ansonsten habe ich aber zumindest alle Pathfinder-Klassen wiedererkennen können (wobei der Piraten-Paladin schon komisch war), bis auf James Dean, der Geist eines magischen Schwertes (ein Gaststar in Episode 9).

Das bedeutet allerdings auch, dass man hier auch ganz gut aufgehoben ist, wenn man kein Pathfinder mag, da das Regelset wirklich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ich fand es ganz witzig, dass im Vorspann immer ganz deutlich ein Grundregelwerk hochgehalten wird, ich denke mal, um Paizo als Sponsor zu behalten. Ich fand es ganz gut, dass Paizo sich hier so ein wenig der Welle der Dungeons&Dragons Shows wie Critical Role oder Acquisitions Inc. entgegen stemmt, da der Marktanteil von Pathfinder ja in den USA deutlich weiter schrumpft. DnD bleibt nun mal der Platzhirsch.

Wie schaut man das Ganze?

Das ist als Nicht-Amerikaner gar nicht mal so einfach. Grundsätzlich vorneweg: das Ganze gibt es nur auf Englisch. HarmonQuest läuft in den USA auf Seeso, einem Streaming-Dienst von NBC, den man in Deutschland nicht schauen kann. Amerikaner können als Amazon Prime Kunden ein kostenloses Trial von Seeso bekommen, in der man die erste Staffel in 10 Folgen locker umsonst schaut. Als Nicht-Amerikaner kann man sich bei YouTube zumindest den Trailer der 1. Staffel gönnen, und dazu noch die allererste Folge. Insgesamt betrachtet eine der schwächeren Folgen, ich konnte da mit dem Gast nicht soviel anfangen.

Wer den Rest schauen möchte, kann hier nur Google um Hilfe bemühen, einen Stream zu finden…

Im übrigen hat Seeso gerade eine weitere Staffel angekündigt, auf die ich mich persönlich schon sehr freue!

Fazit: wer Sitcoms oder Improv mag, und an Rollenspielen Spaß hat, der sollte auch an HarmonQuest seine Freude haben. Wer Sitcoms doof findet, und unser Hobby bierernst nimmt, sollte besser die Finger davon lassen.

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