Durchgelesen: Pathfinder in Romanform

By | 26. Mai 2017

Dank eines begeisterten Blog-Posts von Greifenklaue zur neuen Pathfinder-Romanreihe bei Feder&Schwert ergreife ich mal die Gelegenheit, von meinen bisherigen Erfahrungen mit der Reihe zu sprechen.

Rollenspiel-Romane gibt es ja schon seit sehr sehr vielen Jahren. Darunter so moderne Klassiker wie die Drachenlanze, eine Schwemme von Romanen über die Forgotten Realms, Das Schwarze Auge, Shadowrun und und und. Ich kann jetzt nichts zu den DSA-Romanen sagen, aber ein Großteil der Romane, die damals bei TSR zu AD&D Zeiten erschienen sind, waren recht bescheiden. Ich weiß, dass Drizzt Do’Urden eine Riesenfangemeinde hat (ich gehöre nicht dazu), aber die Romane um den Dunkelelfen und die Dragonlance-Trilogien sind ziemlich allein auf weiter Flur. Es gab meiner Meinung nach viel langweiligen Schund.

Seit 2010 gibt es Pathfinder-Romane, die auf Golarion, der Hauswelt von Pathfinder, spielen. Es sind jeweils Einzelromane, die man auch ohne Kenntnis der anderen Pathfinder-Romane lesen kann. Mittlerweile umfasst die Reihe 38 Bände, und es konnten auch einige namhafte Autoren für die Reihe gewonnen werden, z.B. Michael A. Stackpole (viele Star Wars Romane) oder Sam Sykes (The City Stained Red).

Ich gehe davon aus, dass Feder&Schwert die Bücher der Reihe nach übersetzt, ich mag mich aber auch irren, da z.B. zwei Romane übersprungen werden. Ich kann hier zumindest schon mal einen Überblick über die von mir gelesenen Romane geben.

Prinz der Wölfe von Dave Gross

Prinz der WölfeEinen besseren Einstieg hätte man sich eigentlich kaum wünschen können. Ich war auf jeden Fall spontan begeistert und sehr angetan. Der Roman spielt in Ustalav, die Golarion-Version von Rumänien oder Transsylvanien, besiedelt durch eine Bevölkerungsgruppe namens Varisier, die an Roma erinnert. Protagonisten gibt es derer zwei, in abwechselnden Kapiteln aus der Ich-Perspektive erzählt. Zum einen haben wir dort Graf Varian Jeggare, ein Venture-Captain der Pathfinder-Organisation, die Forscher von Golarion. Kontakt zu einer Pathfinder-Agentin in Ustalav ist abgebrochen, also begibt er sich auf die Suche nach ihr. Der zweite Protagonist ist Radovan, der Leibwächter des Grafen. Er ist ein Tiefling mit varisischen Wurzeln.

Schon recht früh trennen sich in der Story ihre Wege, in einer packenden Story, in der man viel über einen Kult der Untoten-Götting Urgathoa und einer Gruppe von Sczarni-Werwölfen erfährt. Wie dieser kurze Abriss schon andeuten mag, ist man hier schnell tief im Kampagnensetting drin. Wem die ganzen Begriffe wie böhmische Dörfer vorkommen, dem kann ich’s nicht verdenken, denn ohne Golarion-Vorkenntnisse tut man sich schwer. Generell lesen sich die Romane am besten, wenn der Weltenband der Inneren See nicht unbekannt ist. Ansonsten erhält man hier aber eine tolle Mischung aus Humor, erstaunlich viel Gothic Horror und ein wenig viktorianisches Feeling durch Graf Jeggare und Radovan. Nach der Lektüre hätte ich am liebsten zum Kadaverkrone AP gegriffen, um weitere Abenteuer in Ustalav zu erleben. Es verwundert nicht, dass die Beiden noch in drei weiteren Romanen weitere Abenteuer erleben dürfen.

Winterhexe von Elaine Cunningham

WinterhexeDie Autorin ist quasi eine Spezialistin für Tie-In Romane, ähnlich wie z.B. Richard A. Knaak oder Christie Golden. Für mich immer etwas abschreckend, da es immer ein bisschen wie Fließbandware wirkt. Winterhexe ist ein grundsolider Roman, der unterhaltsam ist, aber mich nicht so aus den Socken gehauen hat wie Prinz der Wölfe. Diesmal lernen wir das Land der Baba Yaga, Irrisen, kennen. Wieder gibt es zwei Protagonisten. Einmal haben wir Ellasif, eine Ulfen-Schildmaid aus dem Land der Lindwurmkönige. Bei einem Angriff aus dem Nachbarland Irrisen verliert Ellasif ihre Eltern, und dazu wird ihre Schwester nach Weißthron entführt. Ellasif will um jeden Fall ihre Schwester befreien. In Varisia trifft sie auf Declan, einen Magier aus Korvosa, der seine ebenfalls von den Winterhexen entführte Freundin befreien möchte. Gemeinsam reisen sie nach Irrisen, in das Land im ewigen Eis. Wie gesagt, grundsolide, mit schönen Beschreibungen von Irrisen, aber ansonsten nix besonderes.

Plague of Shadows von Howard Andrew Jones

Diesen Roman fand ich enttäuschend. So stellt man sich halt Durchschnitts-Tie Ins vor. Eine klassische Abenteurergruppe, angeführt von einer Elfin namens Elyana, die ihren verfluchten, ehemaligen Anführer Lord Stelan retten möchten. Dafür müssen sie von Taldor über Galt nach Kyonin reisen. Hätte ich als Riesenchance gesehen, mehr über Galt zu erfahren. Als Info für nicht Pathfinder-Spieler: Galt ist quasi Frankreich zu Zeiten der Revolution. Hinrichtungen, Guillotinen, seit mehr als 40 Jahren herrscht der Mob und nicht mehr die Adelsklasse. Da hätte ich gerne mehr erfahren, aber das passiert irgendwie alles nur oberflächlich. Dafür war es in Kyonin ganz interessant, mehr über die Pathfinder Elfen zu erfahren. Stil ist hier definitiv eher klassischer Fantasy-Pulp. Bin jetzt auch nicht so begeistert davon, dass die Gruppe um Elyana in weiteren Romanen wieder auftaucht, aber vielleicht tue ich diesem Roman ein wenig Unrecht. Scheinbar wird dieses Buch erstmal nicht ins Deutsche übersetzt, was mich nicht verwundert.

The Worldwound Gambit von Robin D. Laws

The Worldwound GambitIch hatte gar keine Ahnung, dass Robin Laws nicht nur Rollenspiele erschafft (z.B. Feng Shui, Trail of Cthulhu, etc.), sondern auch Romane schreibt. Sachen gibt’s! The Worldwound Gambit ist ein eher ungewöhnlicher Roman, der sich nicht ganz so einfach liest. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Roman im Präsens geschrieben ist, was manchen Lesern schwer im Magen liegt (wie auch Rezensionen bei Goodreads zeigen). Wie der Titel schon andeutet, geht es hier um die Weltenwunde, die Kluft in den Abyss, die sich im Norden Golarions aufgetan hat. Unser ‘Held’ ist Gad, ein Hochstapler, der seine Geschäfte in der Kreuzfahrernation Mendev tätigt. Aber die Dämonen der Weltenwunde richten in Mendev ein Blutbad an, was dazu führt, dass Gad sich entschließt, ein Himmelfahrtskommando zusammenzustellen, um den Dämonen Yath aufzuhalten.

Es folgt ein Ocean’s 11 meets Diablo Szenario, in der die sehr skurrile Truppe es schafft, in die lebende Festung des Dämonen zu gelangen. Aber können sie auch wieder fliehen? Ich fand’s sehr cool. Der Stil hat mich nicht weiter gestört, und die Einblicke in die Weltenwunde fand ich sehr interessant Die Story ist spannend, keine Frage. Im Gegensatz zu Plague of Shadows haben wir hier keine Vanilla Abenteurer-Gruppe, sondern durchweg eine abgefahrene Gruppe von Anti-Helden. Teilweise war es schon etwas eklig, aber so sind Dämonen halt. Daumen hoch von mir. Gibt’s aber auch erst mal nicht auf Deutsch.

Den nächsten Roman der Reihe, Master of Devils, habe ich bereits auf meinem Kindle, und freue mich schon darauf, wie es mit Graf Jeggare und Radovan auf Reisen in Tian Xia weitergehen wird. Dieses Buch wird dann als dritter Band der deutschen Reihe im Herbst erscheinen, als Herr der Teufel.

7 thoughts on “Durchgelesen: Pathfinder in Romanform

  1. Greifenklaue

    @Herr der Teufel: Uhh, auf die Fortsetzung freu ich mich, cool.

    Elaine Cunningham schätze ich von DnD, da hatte sie die besten übersetzen Romane, imho, die Ratgeber und Regenten-Trilogie.

    Danke für die Ausblicke.

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  2. Pingback: Media Monday #309 | Greifenklaue's Blog

  3. velverin

    Ich muss sagen, dass ich es noch nicht geschafft habe, einen Pathfinder Roman fertig zulesen. Gut ich besitze auch nur zwei. Was daran liegt, dass mir die Charaktere mich nicht sonderlich ansprechen. Ich würde mir irgendwie eher Romane mit den Iconics wünschen, wie es auch bei den Comics der Fall ist. Paizo hat schließlich genug Iconics um sie streuen zu können.

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    1. Kadomi Post author

      Ich denke nicht, dass die Iconics in den Romanen auftauchen werden. Jeder Autor der Pathfinder-Reihe scheint sich hier auf seine Eigengewächse eingeschossen zu haben. Ich halte die Romane jetzt nicht für große Literatur, aber besser als die meisten FR-Romane gefallen sie mir schon.

      Die Comics finde ich auch gut! Mit dem Stil von Volume 1 kann ich nichts anfangen, aber der wurde ja immer besser. Wollte eigentlich immer die Origin Comics lesen, die sahen sehr interessant aus.

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      1. velverin

        Wovon du auf jeden Fall die Finger lassen kannst (nicht musst) ist Worldscape. Die Idee Pathfinder mit alten Pulp Heroes zu vermischen ist zwar nice, aber die Story an sich, viel zu überlaufen.

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        1. Kadomi Post author

          Okay, merke ich mir. Das Leben ist zu kurz (und es gibt zu viele gute Comics) für überlaufene Stories! 🙂

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