Durchgelesen: Märchenfiguren in Roman und Comic

By | 7. Juni 2017

Ich habe gerade unabhängig voneinander den letzten Band der Luna-Chroniken von Marissa Meyers, und ein paar Sammelbände von Fables, einer Comicreihe,  gelesen. Da es bei beiden Reihen letztendlich um klassische Märchen geht, hier mein Review der beiden Serien.

Die Luna-Chroniken

Winter by Marissa MeyersMarissa Meyers hat eine vierbändige Reihe von Young-Adult Romanen geschrieben, die Gott sei Dank auf viele der YA-Tropes wie Dystopie und Dreiecksverhältnisse verzichtet. Das Setting ist vage SF, wahrscheinlich eher Near Future. Es hat einen großen Krieg gegeben, der scheinbar Asien als Imperium hat entstehen lassen, als Commonwealth. Es gibt Cyber-Technologie, und der Mond wurde besiedelt. Kontakt zu Luna gibt es aber nicht groß. Die Bewohner von Luna haben die Fähigkeit, die Gedanken der Erdenmenschen zu kontrollieren. Angeführt werden sie von Königin Levana. So viel also zum Setting. Im ersten Band lernen wir den Hauptcharakter kennen, Linh Cinder. Die Teenagerin lebt in New Beijing, und arbeitet als Mechanikerin, da sie halb Mensch, halb Cyborg ist. Ihre Stiefmutter und die Stiefschwester nutzen sie als Dienerin aus. Als Prinz Kai, der Thronfolger des Commonwealth,  zu ihrem Marktstand kommt, damit sie seine Androidin repariert, stellt das das Leben von Cinder völlig auf den Kopf, und sie verliert ihr Herz und ultimativ auch ihren Fuß….

Wie man vielleicht der Beschreibung schon entnommen hat, basiert Cinder auf dem klassischen Märchen Aschenputtel, in einer modernen Variante. Jeder der vier Bände pickt sich ein weiteres Märchen heraus, mit einem weiteren weiblichen Hauptcharakter, setzt aber die Story von Cinder und ihrem Kampf gegen die böse Königin Levana fort. Wir haben also die folgenden Romane:

  1. Wie Monde so silbern, im Original Cinder, basierend auf Aschenputtel
  2. Wie Blut so rot, im Original Scarlet, basierend auf Rotkäppchen
  3. Wie Sterne so golden, im Original Cress, basierend auf Rapunzel
  4. Wie Schnee so weiß, im Original Winter, basierend auf Schneewittchen

Mir gefallen die Original-Titel und Cover deutlich besser, über den Titel erfährt man den Charakter des jeweiligen Hauptcharakters. Aus der Reihe haben mir Band 2 und 3 am besten gefallen. Gerade Scarlet, die Farmerin, deren Großmutter mehr über Cinders Herkunft weiß, und deshalb von einer geheimen Einheit von Wolf-Mutanten von Luna gejagt wird, hat mir einfach gut gefallen.

Der abschließende Band, den ich gerade gelesen habe, ist nicht ganz so gut. Zum einen wird hier auf Biegen und Brechen versucht, Cinders Story zum Abschluss zu bringen. Dies führt dazu, dass der Roman mehr als doppelt so umfangreich wie die anderen Bände ist. Da die Anzahl der Charaktere aber so stark angestiegen ist, muss ich zugeben, dass ich Prinzessin Winter und ihren ‘Prinzen’, ihr Leibwächter, einfach nicht so interessant fand wie die anderen Märchenfiguren. Ansonsten passiert hier ganz schön viel, und Cinder und ihre Freunde erleben ganz schön harte Zeiten, bevor es zu einem klassischen Märchen-Happy End kommt.

Wer kein Problem mit YA-Romanen hat, und gerne klassische Märchen in einer Mischung aus Science Fantasy mit einer Prise Romantik verarbeitet sehen möchte, kann sich die Romane durchaus antun. Für mich war die Serie insgesamt durchaus (4 / 5) wert.

Fables

Die Letzte FestungWem das ganze viel zu zuckersüß klingt, und seine Märchenfiguren lieber etwas erwachsener mag, der könnte in der Comic-Reihe Fables sehr gut aufgehoben sein. In insgesamt 150 Heften, die aber zu Sammelbänden zusammengefasst sind, lernt man hier die versteckte Welt der Fables kennen. Bei den Fables handelt es sich um Märchenfiguren, die vor langer Zeit vor einer großen Gefahr aus ihrem Heimatland in unsere Welt geflohen sind. Sie leben zum Teil in einem New Yorker Stadtteil namens Fabletown, bzw. auf einer Farm außerhalb, falls sie nicht als Menschen durchgehen. Alles was in der Märchenwelt Rang und Namen hat taucht in der Reihe auf.

Wem das bekannt vorkommt, könnte das Telltale-Computerspiel basierend auf Fables gespielt haben: The Wolf Among Us. Die Handlung des Spiels ist vor den Comics angesetzt. Sollte das gute Spiel gefallen haben, kann man gleich mit den Comics weitermachen, und kennt direkt die meisten Charaktere. Natürlich hat Bigby, der Große Böse Wolf und Sheriff von Fabletown eine genauso große Rolle wie Schneewitchen, der Sekretärin der Verwaltung.

Die Fables-Comics schrecken vor Gewalt und Sex nicht zurück, und die Figuren fühlen sich sehr erwachsen an. Wir haben hier z.B. Prince Charming, der schon vier mal verheiratet war, und zwar mit Schneewittchen, Aschenputtel, Schneeweißchen und Dornröschen, und ein wirklich arrogantes Arschloch ist, der keiner Frau treu sein kann, und sich stets persönlich bereichert, oder Jack (der mit der Bohnenranke), der ein Con Artist ist, und immer wieder betrügt.

Ich habe in den letzten Wochen die folgenden Fables-Sammelbände gelesen:

  • Fables – Legenden im Exil: In der Einführung in die Welt von Fabletown untersucht Bigby den unerklärlichen Mord an Rose Red (Rosenrot)
  • Fables 2 – Farm der Tiere: Auf der Farm leben alle Märchenfiguren, die nicht in Fabletown leben dürfen. Däumlinge, sprechende Schweine, gestiefelte Kater, alle sind sie da, und rebellieren gegen ihr Los auf der Farm.
  • Fables 3 – Märchenhafte Liebschaften: Der finstere Blaubart heckt einen Plan aus, wie er Bigby und Snow White loswerden kann.
  • Fables 4 – Die Letzte Festung: In der Heimat der Fables steht nur noch eine Festung, und in einem Rückblick erleben wir den Krieg der Fables gegen ihren großen Feind.
  • Fables 5 – Aufmarsch der Holzsoldaten: Der Feind hat seinen Weg nach Fabletown gefunden, mit einer Armee von Holzsoldaten, die den Krieg nach New York bringen.
  • Fables 6 – Finstere Jahreszeiten: Nach dem Angriff wird alles anders, denn nun ist Prince Charming Bürgermeister. Außerdem kommen die Kinder von Snow White und Bigby zur Welt, und stellen sich als ganz besonders heraus.

Mir gefällt die Comic-Reihe super. Natürlich erkenne ich nicht alle Märchenfiguren direkt wieder, da einige schon sehr Amerika-spezifisch sind, z.B. Boy Blue. Das ganze ist aber ein wirklich toller Mischmasch aus Fantasy mit Noir Elementen. Bigby hat sowas von finsterem Privatdetektiv. Cinderella hat ein paar Einzelbände als Bigbys Geheimagentin, auch sehr cool. Es geht auch schon mal ganz schön düster oder derbe zur Sache. Der Comic-Stil gefällt mir durch die Bank. Am besten gefallen haben mir Band 4 und 5. Ich habe so meine Vermutung, wer denn der Feind wirklich sein könnte.

Für Fables gibt’s von mir satte (5 / 5).

 

3 thoughts on “Durchgelesen: Märchenfiguren in Roman und Comic

  1. Würfelheld

    Die Ya-Romane klingen zumindestens vom cyberpunkigen/New Future Hintergrund echt lesenswert. Ich bin aber wohkl nicht so der YA-Leser (Zielgruppe). Wobei mich auch die Anlehnung an die Märchen neugierig macht. Ist das sehr hart angelehnt und man erkennt die Märchen sofort, oder nur so Schemenhaft ???

    Bei den Comics, ist mein Stapel derzeit echt extrem hoch, da werde ich wohl eher nicht zugreifen.

    Danke auf jeden Fall für die Tipps!

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    1. Kadomi Post author

      Was Schmitt geschrieben hat, passt schon. Cinder-ella ist schon nach kurzer Zeit offensichtlich. Die Märchenelemente sind aber wirklich gelungen integriert. Cress z.B. als Version von Rapunzel hat eine Crashlandung in der Sahara und der sie begleitende Pilot erblindet. Immer so Anlehnung, aber kein hartes Nacherzählen der Märchen. Cinders Story über den Kampf gegen Luna ist immer der Mittelpunkt.

      Zum Thema YA kann ich nur sagen, dass das Y bei mir schon lange nicht mehr greift, und mir hat’s trotzdem Spaß gemacht, die Romane zu lesen. 😉

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  2. Schmitt

    Bei Cinder schon – Prinz und Tanz und Schuh und so – bei den anderen, fand ich mindestens, nicht so sehr. Little Red Riding Hood hat ja rotes Haar, Rapunzel langes Haar, bei Schneewittchen gibt’s eine böse Stiefmutter… aber die sind eher angelehnt zum Original, man ist nicht gewältig über dem Kopf damit gehauen. Was ich gut fand, weil die tatsächliche Geschichte schon im ersten losgelegt hat und man ist sehr schnell da drin eingewickelt.

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