Durchgelesen: Numenera – Into the Deep

By | 21. Juni 2017

Leider lese ich RPG-Quellenbücher im Schneckentempo, im Vergleich zu regulären Romanen. Nichtsdestotrotz habe ich es endlich geschafft, mal wieder ein Sourcebook zu Ende zu lesen, und zwar Into the Deep von Monte Cook Games.

Meine Liebe zu Numenera habe ich ja bereits regelmäßig erklärt, und irgendwann werde ich auch mal bei einem Monte Cook Kickstarter dabei sein. Im letzten Numenera-Kickstarter ging es um ‘Into the Ninth World’, die Finanzierung weiterer Locationbände für die Neunte Welt. Kern dieses Kickstarters waren die drei Bücher ‘Into the Night’ (Numenera im Weltall), ‘Into the Deep’ (die Ozeane der Neunten Welt) und ‘Into the Outside’ (andere Dimensionen). Von den dreien interessierte mich gerade im Hinblick auf meine Kampagne, in der es letztendlich um das Erbe einer Hochzivilisation von Fischwesen geht, ‘Into the Deep’ am meisten.

Wie bei Numenera so üblich, erhält man keinen tiefgehenden Einblick in das Kampagnensetting, sondern erhält beispielshaft 13 exotische Locations, die man letztendlich am besten als Ideensprungbrett verwendet. Ich muss zugeben, dass ich mit der Lektüre von Numenera-Settingbänden immer ein gewisses Element an Frust verbinde. Aventurien muss es ja nicht sein, wo in tausend Büchern jedes Detail festgelegt ist, aber diese häufig oberflächlichen Einblicke in die Neunte Welt, die bewusst viel Freiraum lassen, sind mir häufig zu Sandbox-mäßig. Ich wünsche mir mehr Details. Gegen ein wenig Plot im Hintergrund hätte ich nichts einzuwenden. Was ist denn nun mit dem Kreuzzug des Amber Pope? Aargh. Aber zurück zum Meer der Neunten Welt:

Die verschiedenen Zonen, die jeweils ein eigenes Kapitel haben.

Nach einem allgemeinen Einstieg zu Abenteuern unter der Meeresoberfläche, inklusive Gerätschaften, mit denen man unter Wasser atmen kann, U-Boote, etc. und Tipps wie man mit Dingen wie Ertrinken und Druck umgeht, erhält man vier Örtlichkeiten in Küstennähe, vier Örtlichkeiten auf hoher See, in der Tiefen Dunkelheit, und fünf Örtlichkeiten in den Unermesslichen Tiefen und dem Abyss, inklusive eines mysteriösen Inneren Meeres, welches nahe des Kern des Planeten existiert, unter unserem normalen Meer.

Als kleiner Querschnitt hier mal ein paar Beispiele:

  • das Königreich der Oktopusse, inklusive dem Korallenpalast der Königin aller Oktopusse
  • die Skelirroth Flotte, Untersee-Boote, die den Seeboden abtragen, und keiner weiß wieso, mit interessanten Intrigen an Bord der Schiffe
  • Morenel, eine Metropole drei Meilen unter dem Meer, mit einem geheimnisvollen Turm
  • Joria, eine Stadt, die auf dem Rücken eines gigantischen Krustentiers entstanden ist, und die Meere bereist

Die beschriebenen Orte sind alle faszinierend, und bei einigen hatte ich direkt Lust, sie irgendwie in meiner Kampagne unterzubringen. Das wird wahrscheinlich nicht klappen, aber vielleicht wird’s bei mir auch mal eine komplett maritime Kampagne geben? Abenteuer à la 20.000 Meilen unter dem Meer, in der man das Meer mit einem Steampunk U-Boot bereist, warum nicht? Oder was hat es mit den Unsichtbaren Korridoren auf sich, in denen man sich normal atmend durch das Meer bewegen kann, wenn man sie denn findet?

Abgesehen von den beschriebenen Orten bekommt man im Bestiary-Teil noch 21 neue Kreaturen. Ich bin ein Riesenfan von Numenera-Monstern, denn bei jeder Kreatur gibt es immer einen aufgeführten Verwendungszweck. Man erhält immer einen kreativen Weg, wie man das Monster ins Spiel einbinden kann. Zusätzlich gibt’s dann noch insgesamt 54 Cypher und Artefakte maritimer Art.

Wie eigentlich immer ist das Artwork fantastisch. Die Bilder führen bei mir immer direkt zu kreativem Kopfkino, und so soll es sein. Wie alle Numenera-Bände ist Into the Deep super strukturiert. Es gibt informative Sidebars, und in der PDF-Version ist alles schön brav mit Hyperlinks verknüpft. So muss es sein.

Fazit

Abgesehen von meinem allgemeinen Frust der mangelnden Tiefe des Settings, ist Into the Deep ein tolles Buch. Wirklich wunderschön, mit fantasievollen Locations, die wirklich Lust auf mehr machen. Als Inspiration auf jeden Fall eine absolute Empfehlung für Spielleiter, für reine Spieler eher ungeeignet.

Ich bin gespannt, ob der nächste Settingband ‘Jade Colossus‘ mir den Frust der mangelnden Details abnehmen wird, aber ich fürchte fast nein. Wir werden sehen.

Wer gerne noch einen tieferen Einblick in die ‘Tiefe’ (harhar) haben möchte, dem empfehle ich Aendymions Rezension in seinem Numenera-Blog.

13 thoughts on “Durchgelesen: Numenera – Into the Deep

  1. Thorsten

    Danke für den Artikel!

    Ich interessiere mich (noch aus der Ferne) für Numenera und fand deinen Überblick interessant.

    Ich werd mir gleich mal deinen Karnevalsbeitrag mit der „Kammer der Vergessenen“ anschauen.

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    1. Kadomi Post author

      Freut mich, dass Dir der Überblick gefallen hat. Falls Du Fragen zu Numenera hast, beantworte ich diese gerne, es ist nämlich aktuell mein absolutes Lieblings-System.

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  2. Thorsten

    Danke dir für das Angebot.

    Wie würdest du das Regelsystem kurz umschreiben? Eher regelleicht oder auf Simulation ausgelegt? Ich vermute fast, dass es weniger simulationistisch ist, was zu einem Erkundungsspiel passen würde.

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    1. Kadomi Post author

      Regelleichtes W20-System mit einem Pool-System. Man hat drei Hauptattribute und kann Punkte aus deren Pools ausgeben, um Fähigkeiten auszulösen oder die Schwierigkeit einer Prüfung zu senken. Die Pools sind gleichzeitig auch quasi Hit-Points, also hat man ein interessantes Ressourcenmanagement.

      Erfahrungspunkte gibt es nur für das Entdecken der Spielwelt, nicht für das Töten von Monstern. Als GM würfelt man überhaupt nicht, was dazu führt, dass man sich sehr aufs Erzählen konzentrieren kann.

      Falls Du keine Scheu vor englischsprachigen Podcasts hast, gibt es hier einen wirklich tollen Einblick in das Cypher-System, der Engine hinter Numenera: https://gamingandbs.com/speaking-cypher-system-gbs134/

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  3. Thorsten

    Das klingt gut. Je älter ich werde, umso weniger hab ich auf komplexere Systeme Lust. Dass es Erfahrungspunkte nur für das Erkunden gibt, finde ich klasse!

    Ich hab keinerlei Scheu vor der englischen Sprache und höre mir den Podcast mal an. Danke für den Tipp! 🙂

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    1. Kadomi Post author

      P.S.: ich habe vor, irgendwann im August einen Hangouts oder Roll20 Numenera-Oneshot mit Twitter-Rollenspielern zu leiten. Falls Du Interesse haben solltest, sag Bescheid. 🙂

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    1. Kadomi Post author

      Alles klar, ich lade dich demnächst in einen Twitter-Gruppenchat ein, zwecks Terminabstimmung. 🙂

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