Spieleindrücke: Jäger – Die Vergeltung

By | 1. Juli 2017

Dieser Beitrag ist mal längst überfällig, denn ich spiele seit kurzem in einer waschechten Kampagne mit, und zwar in einem System der klassischen World of Darkness: Jäger – Die Vergeltung. Deutsch gab es das damals bei Feder&Schwert, und jetzt kann man immer noch ein paar PDFs über DrivethruRPG beziehen. Wobei die Auswahl der vorhandenen Bücher merkwürdig ist. Warum das Überlebenshandbuch, aber nicht den Player’s Guide? Nun ja.

Meine Berührungspunkte mit der World of Darkness hatte ich in den späten 90ern. Gespielt habe ich keins der Storyteller Systeme.  Ich habe aber damals Vampire: The Masquerade, Werewolf: The Apocalypse und Changeling: The Dreaming gekauft, gelesen und auch geliebt. Gerade die Clans der Camarilla und Changeling haben mich voll gepackt. Werewolf hingegen war nie ganz meins. Ich habe mich damals online in WoD-MU*s getummelt, eine heute fast ausgestorbene Art des textbasierten Online-Rollenspiels.

Die weitere Entwicklung der WoD ist dann aber an mir vorbeigerauscht. Eines schönen Tages fragte mich Sal, ob ich nicht Lust an einer festen Kampagne über Hangouts hätte. Da ich viel zu selten spiele war ich sofort dabei, wobei ich von dem System, dass er bespielen wollte, noch nie gehört hatte: Jäger – Die Vergeltung.

Menschen auf der Jagd

J: DV gehört zur klassischen World of Darkness. Im Gegensatz zu den anderen Storyteller-Systemen spielt man keine übernatürliche Kreatur, sondern man spielt ‘normale’ Menschen. Ganz so normal sind sie dann nämlich wieder nicht, denn durch ein spezifisches Erlebnis stellt sich heraus, dass Jäger im Gegensatz zu allen anderen Menschen die übernatürlichen Wesen sehen können, die die World of Darkness füllen, und versuchen, diese Wesen aktiv zu jagen und zu bekämpfen. Mein erster Gedanke war, dass wir also die Winchester-Brüder aus Supernatural sind.

Wir spielen aktuell in einer Dreiergruppe, dabei sind @nurdertim, mit dem ich jetzt ja schon recht häufig online gespielt habe, und dazu noch @BPunktOni, ein total sympathischer Österreicher. Ich kann schon mal vorgreifen: es macht total viel Spaß!

Als Jäger folgt man einer Haupttugend, in meinem Fall Eifer, und legt quasi ein Bekenntnis ab, welches hier die Klasse/Klan/Stamm/Kith etc. darstellt.

Unsere Gruppe sieht folgenderweise aus:

  • Carolyn “Lyn” McKinley – Privatdetektivin, Verteidigerin
  • Jacob Roseblum – Arzt, Erlöser
  • Christopher “Chris” Jacob McCormick – Enthüllungsjournalist, Visionär

Das Präludium als Einzelrunde

Als Einstieg hat jeder von uns nach der Charaktererstellung ein Präludium bekommen. Dort wurde das einschneidende Erlebnis ausgespielt, in dem aus normalem Mensch ein Jäger wird. Mein Charakter heißt Carolyn McKinley, und als Konzept schwebte mir so eine Mischung aus Jessica Jones und Debra Morgan aus Dexter vor, auch so vom eher rauen Umgangston vor. Lyn war früher Polizistin, hat dies aber aufgegeben, als sie mit der Korruption ihrer Kollegen nicht mehr klar kam. Sie arbeitet nun als Privatdetektivin, womit sie nicht so richtig glücklich ist.

In Ihrem Präludium hatte sie den Auftrag, die Ehefrau eines Auftraggebers des Ehebruchs zu überführen. Diese Frau kellnerte in einer Bar in Chicagos South Side. Es sah dann so aus, als ob die Dame wirklich was mit jemandem aus der Bar hatte, aber irgendwas kam Lyn nicht ganz koscher vor. Nach einem Gespräch mit dem Wirt der Bar schlich Lyn sich in die Privaträume der Bar ein, und musste zu ihrem Entsetzen feststellen, dass die Frau in einem Lagerraum gefangen schien, gemeinsam mit bestialisch aussehenden Kreaturen, eine davon tot. Lyn schnappte sich die Frau, als ihr Beschützerinstinkt einsetzte.

Eine der Bestien folgte ihnen und Lyn durfte feststellen, dass sie die Fähigkeit besitzt, übernatürliche Kreaturen mit einer Art Schutzschild abzuwehren. In ihrer Not erschoss sie die Bestie in einer Gasse neben der Bar. Es stellte sich heraus, dass die Bestie der Wirt der Bar ist. Aufgewühlt von diesem Ereignis alarmierte Lyn anonym die Polizei, und ein Notarztwagen holte den vermutlichen toten Wirt ab. Ein seltsames junges Mädchen namens Oni, die Lyn schon mehrmals aufgefallen war, hatte alles beobachtet und teilte ihr mit, dass sie doch mal in das Night Cafe kommen solle. Nach diesen Ereignissen zog Lyn sich erstmal zurück, um nicht mit den Schüssen in Verbindung gebracht zu werden, und erstmal auf alles klar zu kommen…

Eine Kampagne im Serienformat

Sal ist ein großer Verfechter einer Kampagne als Art von Serie, und dass setzt er hier auch konsequent um. Die Kampagne hat natürlich einen Titel, Hearts of Chicago, und unsere erste Gruppensession ist der Pilotfilm namens The Dream of the Green River, der jeweils noch in mehrere Sessions aufgeteilt ist. In der Pilotfolge Blutige Anfänge wurden unsere Charaktere zusammengeführt, und alle drei haben eine Spur erhalten, die ins Night Cafe führt.

Bei einer Lesung zum Thema Voodoo hielten die drei einen Auftragskiller auf, erfuhren von einem entflohenen Sträfling, dass sie sogenannte Jäger sind, und fanden heraus, dass eine merkwürdige Gruppe von Beobachtern, inklusive Oni, irgendwie immer zugegen ist. Außerdem musste Lyn zu ihrem Entsetzen erfahren, dass der von ihr erschossene Wirt überlebt hatte und nun in Jacobs Krankenhaus lag. Voller Furcht, dass die Bestie dort ein Massaker anrichten würde, schafften die drei es, den Wirt aus dem Krankenhaus zu kidnappen. Da die Beobachterin Oni die drei beschwichtigt hatte, dass der Wirt noch nie jemandem etwas getan hätte, brachten sie ihn in einen Park und nahmen sich vor, ihn weiter zu beobachten, sobald er in seine Bar zurückkehrt.

Am nächsten Tag mussten die drei zu ihrem Entsetzen den Nachrichten entnehmen, dass es im Park ein Massaker gegeben hatte. Eine Gruppe von jugendlichen Hikern wurde getötet…

Jäger-News

Die coolen Bilder hat übrigens Tim mit Hilfe zweier Web-Tools erstellt, was ich sehr atmosphärisch finde.

Das Serienformat gefällt mir wirklich super, und ich werde das für Numenera auch übernehmen. Wobei das mit den Folgentiteln schwierig ist. Es hängt natürlich immer sehr davon ab, wie sehr Spieler sich auf das Format einlassen. In unserem Fall in J:DV klappt das sehr gut, weil wir hier z.B. auch aktiv OneNote als Kampagnentool benutzen. Wir erstellen gemeinsam Protokolle, und befüllen ein Personen- und Ortsverzeichnis. Tim und ich haben zusätzlich noch ein In-Character Tagebuch angefangen. Bis jetzt ist das alles sehr spaßig und voller Immersion.

Zum System muss ich nicht viel sagen. Es ist halt ein Storyteller-System, mit Würfelpools. Wer jemals mit World of Darkness zu tun hatte, kommt auch sofort klar.

Was bei diesem Setting natürlich sehr spannend ist, ist dass die Charaktere nichts wissen. Ich habe mich nicht tief ins Setting eingelesen, weiß z.B. nicht, was die Bekenntnisse der anderen beiden so drauf haben. Das ist aber völlig okay, denn für alle drei ist das alles unbekannt. Sowohl Spieler als auch Charakter lernen hier ihre neue Welt kennen, und das ist für mich sehr reizvoll.

Zu guter Letzt noch ein wenig Schleichwerbung. Wer das ganze interessant findet, und einmal im Monat sonntags Jäger mit tollen Twitter-Menschen spielen möchte, möge sich doch bitte bei Sal melden. Einen Spieler mehr könnten wir schon gut vertragen, falls mal einer von uns dreien ausfällt. Von mir auf jeden Fall Daumen hoch. Ich freue mich auf die nächste Session.

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