Durchgelesen: Dolch und Münze

By | 2. August 2017

The Spider's WarAls aktuelles Highlight habe ich mit der Lektüre des letzten Bands mal wieder eine epische Fantasy-Reihe tatsächlich abschließen können. Im Zeitalter von Martin und Rothfuss durchaus keine Selbstverständlichkeit! Da ich die anderen Bücher der Reihe bisher nicht rezensiert habe, gibt’s einfach mal einen Überblick über die gesamte, wirklich empfehlenswerte Reihe: Dolch und Münze von Daniel Hanover oder The Dagger and the Coin von Daniel Abraham. Ja, es gibt tatsächlich eine echte Diskrepanz beim Autorennamen. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, warum in der deutschen Übersetzung ein Pseudonym verwendet wird.

Vollständig ist die Reihe bisher nur in der Originalsprache, mit insgesamt fünf Bänden:

  1. The Dragon’s Path
  2. The King’s Blood
  3. The Tyrant’s Law
  4. The Widow’s House
  5. The Spider’s War

Auf deutsch sind bisher die folgenden Bände erhältlich:

  1. Das Drachenschwert
  2. Königsblut
  3. Das Gesetz des Tyrannen

Die beiden letzten Bände sind wohl noch in der Übersetzung? Hoffe ich zumindest mal für deutsche Leser. Der Autor ist vielleicht einigen Netflix-Zuschauern als einer der Autoren der SF-Serie The Expanse bekannt. Unter dem Pseudonym James S. Corey haben Abraham und sein Kollege Ty Franck diese Science-Fiction Serie verfasst.

Spinnen im Blut

Alles beginnt mit einer Invasion. Die Imperiale Armee von Antea belagert die Freie Stadt Vanai, und während der Belagerung lernen wir direkt die drei wichtigsten Charaktere der Serie kennen. Cithrin ist eine junge Frau, die für eine Bank arbeitet, und während der Belagerung die Aufgabe erhält, das gesamte Kapital der Bank aus der Stadt hinaus in Sicherheit zu bringen. Um dies zu tun, reist sie mit einer Karawane, die von Captain Marcus Wester, einem raubeinigen und legendären Söldner begleitet wird. Auf der Seite des Imperiums lernen wir Sir Geder Palliako kennen. Er ist ein schüchterner Adliger, der lieber allein in seinem Zelt Bücher liest, und gerne die Welt bereisen möchte. Dafür erntet er von den anderen Adligen der Armee nur Spott. Durch politische Intrigen wird er zum Befehlshaber ernannt, und lässt die gesamte Stadt Vanai inklusive aller Einwohner verbrennen.

Geder ist es auch, der nach seiner Rückkehr nach Antea beschließt, Erzählungen aus seinen Büchern zu folgen. Auf seinen Reisen entdeckt er den Kult der Spinnengöttin, deren Oberpriester Basrahip Geder als Prinzen der Menschheit bezeichnet. Der Oberpriester hat wie alle Priester des Kults die Möglichkeit, zu erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt, und kann Menschen durch Suggestion beeinflussen. Geder bringt Basrahip zurück in die Hauptstadt des Imperiums, und dass Unheil nimmt seinen Lauf.

Breaking Bad

DrachenschwertWährend man Geder anfangs noch sympathisch findet, und immer wieder darauf wartet, dass er doch merkt, was mit ihm passiert, lässt dies immer mehr nach. Wie ein Walter White der Fantasy werden seine Hemmschwellen für Gewalt immer geringer. Seine Spinnen-Armeen ziehen über den Kontinent, und er sieht sich stets im Recht. Gegen diesen Anti-Helden stellen sich Marcus Wester und Cithrin. Wester ist bereit, Gewalt einzusetzen und sucht Waffen, um die Spinnen zu bekämpfen, er ist der Dolch aus dem Titel der Serie. Cithrin bel Cour ist eine talentierte Ökonomin, die die Mittel ihrer Bank einsetzt, um den Spinnen-Kult mit finanziellen Mitteln aufzuhalten.

Die Serie lebt von ihren starken Charakteren. Als Standout-Charakter der Serie möchte ich für mich persönlich Lady Clara Kalliam hervorstellen. Im ersten Band ist sie einfach nur die Ehefrau eines wichtigen Adligen in Antea. Im Laufe der Reihe entwickelt sie sich zu einer Rebellin mit einem deutlich jüngeren Liebhaber, die durch ihr politisches Geschick zum Sturz des Spinnenkults beiträgt. In welcher Fantasy erlebt man schon mal eine ältere Frau mit erwachsenen Kindern, die sich so einbringen kann?

Lobenswert möchte ich auch das World-Building hervorheben. Man erfährt viel über die Schöpfungsgeschichte der Welt, und lernt, dass es insgesamt 13 menschliche Rassen gibt, die künstlich erschaffen wurden. Der Großteil der Bevölkerung von Antea sind z.B. Firstbloods, also Standard-Menschen, aber Cithrin ist eine Cinnae, kleiner und blasser. Der Stellvertreter von Marcus Wester ist ein Tralgu, mit hundeähnlichen Charakteristika.

Die Reihe hat mit etwas Längen zu kämpfen, so im vierten Band ging mir auch schon mal die Luft aus. Der Abschluss-Band versöhnt aber wieder und bringt alle Handlungsstränge und Charaktere wieder zusammen. Der Abschluss ist nicht perfekt, aber stellt durchaus zufrieden.

Fazit

Wer gerne episch angehauchte Fantasy mag, der macht hier eigentlich nichts verkehrt. Gerade weil ich in diesem Jahr noch nicht so viel großartiges gelesen habe, war es toll, mit The Spider’s War zu dieser Serie zurückzukehren. Von mir gibt’s deshalb für die komplette Serie die folgende Wertung:

(4 / 5)

 

2 thoughts on “Durchgelesen: Dolch und Münze

  1. teichdragon

    Das mit dem Namen kann ich Dir erklären.
    Es gibt auf deutsch schon die Reihe “Die magischen Städte” von ihm und die war verkaufstechnisch wohl eher… “suboptimal”. Deshalb ist man bei seiner zweiten Fantasy-Serie auf die Idee gekommen, diese nicht wieder unter dem Namen Daniel Abraham zu starten, sondern hat sein Pseudonym genommen unter dem er in den USA eine Urban Fantasy Reihe geschrieben hat.
    Reine Marketing-Gründe.

    PS: Die “magischen Städte” sind auch absolut lesenswert, wenn auch fernab der typischen Fantasy-Klischees. Wahrscheinlich ist sie deshalb hier beim Leser auch nicht richtig angekommen.

    Reply
    1. Kadomi Post author

      Das ist ja interessant. Die magischen Städte bzw. The Long Price Quartet sind definitiv auf meiner Leseliste. Laut eines Amazon-Reviews wird es Band 4 und 5 von Dolch und Münze eventuell gar nicht auf deutsch geben? Das wäre wirklich sehr schade.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.