Spieleindrücke: Call of Cthulhu – Jäger und Gejagte

By | 20. August 2017

Ich hinke mit meinen Spielberichten aktuell etwas hinterher, möchte aber trotzdem noch von meinen ersten Erfahrungen in Call of Cthulhu berichten. Mein allererster One-Shot in diesem Jahr war ja Trail of Cthulhu, geleitet von @nurdertim. In gleicher Besetzung wie damals, also mit meinen üblichen Verdächtigen @w6vsw12, Tim und mir als Spielern, und mit Michael von jaegers.net als Spielleiter.

Das Abenteuer

Gespielt haben wir in 2 Sessions, einmal Ende Juni, und dann nochmal Ende Juli, um das Abenteuer zu Ende zu führen. Das Abenteuer war Jäger und Gejagte, aus dem Abenteuerband Ars Mathematica. Der Hintergrund dieses Abenteuers hat uns nach Alaska geführt, in den 20ern. Als Goldsuchende lebten die drei Abenteurer in einem Camp in Alaska im Jahr 1921, im tiefsten Winter. Es handelte sich um:

  • Benjamin Hanson, ein relativ junger, vielleicht etwas draufgängerischer Teilhaber eines Claims (gespielt von mir)
  • Wilbur Grant, ein griesgrämiger älterer Mann und Freund von Benjamins Onkel (gespielt von Sal)
  • Dr. Ralph Norris, ein Arzt, dem Benjamin Anteile am Claim verkauft hat (gespielt von Tim)

An einem ruhigen Morgen wurde das gesamte Camp aufgescheucht, denn einer der Goldjäger namens Walter Coffin, berichtete, dass sein Claim-Partner Zebediah nicht von der Jagd auf Wölfe zurückgekehrt sei. Flugs wurde das gesamte Lager organisiert und man brach auf, um Zebediah zu suchen. Doch während der Suche wird das Wetter immer schlechter. Die Leiche von Zebediah wird gefunden, aber sie wirkt nicht, als ob es wirklich Wölfe gewesen wären. Vielleicht ein Bär? Oder vielleicht gar etwas schrecklicheres? Bald kämpft der Suchtrupp um sein Leben in der Wildnis von Alaska, eingeschneit, ohne ausreichende Vorräte, und der Wahnsinn ist nie weit entfernt…

Das System

Ich bin ja ein bisschen Newbie, denn CoC ist in Deutschland unfassbar beliebt, und ich hatte es trotzdem vorher noch nie gespielt. Habe mich auch nicht wirklich mit den Regeln beschäftigt, ich weiß nur, dass es ein W100 System ist. Das sollte aber überhaupt kein Problem darstellen. Gespielt haben wir diesmal über Roll20, ohne Video. Michael hat unser Audio aufgenommen, also ist es gut möglich, dass das Abenteuer auch als Podcast zu hören sein wird.

Hier ein Beispiel für die Umsetzung in Roll20.

Roll20 hat für CoC hervorragende Charakterbögen, so dass man auch ohne Kenntnis der Regeln einfach nur auf die Würfel-Makros klicken kann, um Prüfungen abzulegen. So ganz geschnallt habe ich das Ergebnis nie, weiß aber nun zumindest, dass man so niedrig wie möglich werfen sollte. Das hat nicht immer geklappt. Es war herrlich komisch, dass unser Arzt Ralph seine Medizin-Würfe mehrfach verpeilt hat.

Im Vergleich zu Trail of Cthulhu wurde schon viel gewürfelt, sehr klassisch halt. Auf alles mögliche wurden Proben abgelegt, und insgesamt haben wir alle nicht so toll gewürfelt. Für jemanden, für den das aktive Würfeln zum Spielerlebnis gehört, ist Call of Cthulhu sicherlich das interessantere System als Trail of Cthulhu in der Puristen-Variante. Ich fand beide sehr unterhaltsam.

Michael hat als SL die Stimmung sehr gut getroffen. Das umschlagende Wetter, immer wieder unheimliche Geräusche. Rauhe Nächte umzingelt von Wolfsgeheul, und ausrastende NPCs. Die Atmosphäre war topp.

Ultimativ fand ich das Abenteuer aber ein bisschen unbefriedigend, denn der letzte Kick hat irgendwie gefehlt. Das ToC Abenteuer war schon eher Richtung Mindfuck, mit einem verstörenden Ende. Bei Jäger und Gejagte kam es letztendlich zu einer Auseinandersetzung mit einer Mythos-Kreatur, die ich aber nicht so verstörend empfand, und die für uns auch irgendwie unbefriedigend ausging. So war unsere Gruppe letztendlich nur wieder zurück im Lager, mental und körperlich traumatisiert, aber ohne die Kreatur besiegt zu haben. Über Dance in the Blood habe ich auch noch nach dem Spielen nachgedacht, über Jäger und Gejagte eher nicht.

Fazit

Im Vergleich hat für mich Trail of Cthulhu gewonnen. Ich mag den GUMSHOE-Ansatz der automatischen Erfolge, um Spuren zu sammeln. Hier in CoC hatte ich immer den Eindruck, dass die Würfelproben uns mehr behindert haben als hilfreich zu sein. Meine Vorliebe für ToC mag aber daran liegen, dass ich die Purist-Szenarien einfach so toll finde. So oder so, sollte jemand nochmal zu einem Cthulhu-One Shot einladen, würde ich unabhängig vom System zuschlagen. Gut spielen kann man sicherlich beide. CoC fühlt sich deutlich klassischer an mit der Würfelei, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist.

Übrigens nochmal recht schönen Dank an die tolle Gruppe, denn den ersten Teil des Abenteuers habe ich ganz schön gesprengt. Ich war zu der Zeit allein, es war warm, und meine taube Maine-Coon Katze hat mein Abgelenkt sein dazu genutzt, über den Balkon auf das Dach des Hauses zu klettern. Das war ein Panikmoment, den mir ein Großer Alter auch nicht besser hätte verschaffen können. Meine RL-Sanity Probe habe ich da erstmal verkackt.

Es hat eine geraume Zeit gedauert, bis ich sie über die Dachrinne wieder in die Wohnung bekommen habe, aber danach war ich halt völlig raus aus dem Spiel, so dass ich sehr froh war, dass wir auf eine zweite Session vertagen konnten. Dafür nochmal sorry von mir!

 

2 thoughts on “Spieleindrücke: Call of Cthulhu – Jäger und Gejagte

  1. Michael L. Jaegers

    Das Abenteuer hatte sich dann doch railroadiger herausgestellt, als ursprünglich abgenommen. Die ein oder andere Würfelei war der verzweifelte Versuch da raus zu kommen. Man kann CoC auch deutlich würfelärmer spielen.

    Und ja, an den beiden Podcast Folgen arbeite ich noch. Da war überall der Wurm drin, nicht nur die Katze auf Abwegen 😉

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  2. Sal

    Danke für den schönen Spielbericht. Stimme da Michael zu, CoC geht auch würfelärmer. Ich zähle nicht mit, würde aber schätzen, dass in meinen bisherigen Oneshots tendenziell weniger gewürfelt wurde. Aufgrund derer kenne ich natürlich die Regeln, sowohl der sechsten als auch der siebten Edition, die 7. hatten wir in dem Oneshot. Falls es Dich beruhigt: Die Würfelergebnisse von Roll20 habe ich trotz Michaels Erklärungsversuch nicht geschnallt. Besonders die farbige Tabelle hat mich überfordert.

    Danke auch noch mal fürs Mitspielen. War schon interessant, aber es gibt rundere Szenarien, die die Geschichte etwas besser schließen als wir das erlebt haben. Wenn ich Richtung Oktober schiele, dann kann ich vielleicht mal “Filmriss” anbieten. In meinen Augen eines der spannendsten offiziellen Szenarien – jedenfalls von denen, die ich so kenne.

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