Spielbericht: Numenera One-Shot “Die Schwarzknochen-Braut”

By | 23. August 2017

Da ich in diesem Jahr schon an vielen coolen One-Shots teilnehmen durfte, wollte ich mich mal revanchieren, indem ich auch mal angeboten habe. Als System kam für mich erst mal nur mein Wohlfühl-RPG in Frage: Numenera.

Schwarzknochen-Braut
Gespielt haben wir das Abenteuer ‘The Skein of the Blackbone Bride‘ von Shanna Germain, das GenCon-Abenteuer von 2016. Monte Cook Games bringen jedes Jahr zum GenCon ein neues Abenteuer mit, welches danach dann für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wird. Wobei ich mir nicht sicher bin, dass es dieses Jahr wieder eins gegeben hat. Egal. Wer noch vor hat, dieses Abenteuer zu spielen, sollte sich einer gewissen Spoilergefahr bewusst sein! Ich versuche es aber, recht oberflächlich zu halten.

Mit mir gespielt haben:

  • Sal von w6vsw12 – Tellmohr “Jabby” Bulljien II ist ein eleganter Jack und kennt dunkle Gassen
  • Tim von nurdertim -Maysm “Shade” (Shey) ist ein starker Glaive und bekämpft Automata
  • Thorsten von Thorsten spielt Rollenspiel – Hurne “Echo” (Ech) ist ein intelligenter Jack und kontrolliert Bestien
  • Cynthia aka meine bessere Hälfte – Cyne “Ravage” (Ravi) ist eine ehrenhafte Glaive und trägt eine Aura aus Feuer

Cynthia spielt in meiner regelmäßigen Runde, Sal und Tim hatten auch schon erste Erfahrungen mit Numenera gemacht. Thorsten war jedoch brandneu im System, somit konnte ich also direkt üben, wie man fließend die Regeln des Cypher Systems vermittelt. Durchaus wichtig, da ich mich mit dem Gedanken trage, mich beim Asset Team von Monte Cook Games zu bewerben.

Die Gerissenen Seskiis

SeskiiSal hat seinen eigenen Charakter mitgebracht, die anderen drei haben aus den Pre-Gens des Abenteuers gewählt. Die Ausgangslage des Abenteuers war für einen One-Shot bestens geeignet. Alle Charakter waren Mitglieder einer Söldner-Gruppe namens Die Gerissenen Seskiis. Jeder von Ihnen hatte einen Seskii-Spitznamen, den sie im Rahmen ihrer Karriere verdient haben. Somit hatte man einen schönen Einstieg, als jeder erklärt hat, wie man den Spitznamen bekommen hat.

Der Auftrag der Söldnertruppe klang relativ einfach. Eine Adlige aus Malevich bat um die Bergung des Körpers ihrer verstorbenen Tochter, die in einem Dorf im Schwarzen Grat, dem großen Gebirge der Neunten Welt, gelebt hatte. Aber weil es Numenera ist, war es nicht einfach ein Körper, der zu bergen war. Scheinbar hatte die Adlige einen Automaten bauen lassen, der sie an ihre leibliche Tochter erinnern sollte, und war mit diesem Automaten über lange Jahre in telepathischer Verbindung. Sie bezeichnete diesen Automaten als Schwarzknochen-Braut. Der telepathische Kontakt war nun abgebrochen, und nun galt es den Körper dieser Ersatztochter zu bergen.

Da sie den Seskiis eine reichliche Belohnung vertraglich zugesagt hatte, brach die Gruppe flugs auf, ab ins Gebirge.

Seltsame Pflanzen und metallene Spinnen

In einem Lager mitten im Gebirgspass fanden die Seskiis eine Spur, die darauf hindeutete, dass ihre direkten Rivalen, eine andere Söldnertruppe, von einem völlig anderen Auftraggeber den gleichen Auftrag erhalten hatten. Dieser Auftraggeber bat um die Bergung seiner Braut. Mysteriös! Da man schneller als die Rivalen sein wollte, wollte man so schnell wie möglich weiter reisen. Eine verblüffende Reisemöglichkeit fand sich in Form von lila-farbenen Blumen, die sich wie Ranken durch das Lager zogen. Aus diesen Blumen trat nämlich überraschend ein Reisender, der ganz erstaunt war, dass die Seskiis die Ranken-Methode nicht kannten. Er zeigte Echo die Tricks, wie man damit weiterreisen kann. Der Rest der Gruppe war von dieser Reisemethode aber nicht überzeugt und zog den konventionellen Weg durchs Gebirge vor, trotz fortgeschrittener Stunde.

An einer Enge im Pass rannte die Gruppe in eine Falle. Ein Netz, aus rasierklingenscharfen Metallfäden, blockierte den Weg, und die Gruppe wurde von zwei Stahlspinnen angegriffen. Echo wurde gebissen und fühlte, wie ihm Metall in den Körper injiziert wurde. Ein Schreck, von dem er sich nur langsam erholte.

Letztendlich am Ziel ihrer Reise angekommen, stellte sich heraus, dass in der Tat auch noch andere interessierte Parteien vor Ort waren. In einem großen Showdown konnte die Braut aber gesichert werden, so dass die Seskiis ihren Auftrag erfolgreich abschließen konnten.

GM-Anmerkungen

Das Abenteuer ist eigentlich sehr schön, und wirklich gut für einen Einstieg geeignet. Ich wage mal zu behaupten, dass ich das ‘Seltsame’ der Welt von Numenera gut vermitteln konnte. Die Gruppe war ein lustiges Trüppchen, es hat Spaß gemacht für sie zu leiten. Ich hatte den Eindruck, dass ich das schlanke System gerade auch an Thorsten gut vermitteln konnte. Selbst einen SL-Eingriff konnte ich mir nicht verkneifen, und durch den 1 Erfahrungspunkt, den ich jedem vorab gegeben hatte, konnte man auch schön den Einsatz von XP zum Würfeln austesten.

Vom zeitlichen denke ich haben wir ca. 5 Stunden Spielzeit gehabt, wobei ich die ganzen optionalen Vorschläge aus dem Abenteuer ausgelassen habe, hauptsächlich weitere Kämpfe oder weitere SL-Eingriffe. Ich hätte aus dem Abenteuer auch locker 8 Stunden rausholen können.

Vom Balancing fand ich das Abenteuer etwas bedenklich, denn der Showdown am Schluss lässt die Gruppe auf ein paar sehr hochstufige Gegner treffen, die auch nicht davor zurückschrecken, anzugreifen. Da ich das Abenteuer zum Abschluss bringen wollte, habe ich für einen Deus Ex Machina Moment durch NPC-Unterstützung gesorgt, was mir nicht wirklich gut gefallen hat. Ich werde Shanna Germain mal fragen müssen, wie diese Begegnung eigentlich gedacht ist.

Zum Abschluss hat man das Potential einer moralischen Entscheidung. Weil die Gruppe aber Söldner durch und durch waren, gab es überhaupt kein Zögern, was mich etwas verblüfft hat. Potential für Diskussionen über den Abschluss gibt es durchaus.

Insgesamt ein sehr schönes Abenteuer, und ein gelungener One-Shot. Meine anfängliche Nervosität konnte ich Gott sei Dank sehr schnell ablegen. Numenera ist halt mein Wohlfühl-System, es macht mir einfach Spaß. Die Seskiis waren so witzig, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, einen weiteren ihrer Aufträge zu leiten.

9 thoughts on “Spielbericht: Numenera One-Shot “Die Schwarzknochen-Braut”

  1. Thorsten

    Hey-hey,

    mir hat es gut gefallen und ich kann dich da unterstützen: Du hast den Sense of Wonder gut rübergebracht. Besonders cool fand ich die „Reiseblumen“. Bevor klar wurde, was es mit ihnen auf sich hatte, wartete ich darauf, dass sie vielleicht die Sonne auffangen und in Form von laserartigen Strahlen wieder abgeben würden. 😀 Wer „Ringwelt“ von Larry Niven gelesen hat, weiß, was ich meine.

    Ich wäre auch nicht abgeneigt, weitere Aufträge zu übernehmen. Liebe Grüße von Moxie! OOUUUHHHHH!

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    1. Kadomi Post author

      Oh, wirst du bald Numenera spielen? Sehr schön. Ich wünsche dir ganz viel Spaß!

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  2. Sal

    Hey Kadomi,

    danke noch einmal fürs Leiten.

    Noch ein paar Gedanken zum moralischen Konflikt.

    – Kommentar enthält Spoiler –

    Die moralische Frage habe ich als Spieler kurz im Hinterkopf gehabt, dabei könnte ich mich mit meinem Charakter herausreden, der einfach daraus ausgelegt ist, ein gieriges Großmaul zu sein, dass trotzdem mit Glück und ein bisschen Loyalität irgendwie durchkommt. (Ich bin bis heute geschockt, dass Thorsten es gruselig fand, dass ich dem verlorenen Konkurrent schadenfroh hinterhergewinkt habe, aber mein Vorschlag, einfach auf deren Rückkehr zu warten und zu auszurauben so hingenommen wurde – auch wenn Langweilerin Moralapostel-Ravi den Vorschlag abgeschmettert hat. 😉 )

    Andererseits wäre ich wohl auch mit einem anderen Charakter nicht darauf eingegangen. Die Vorgabe eine Söldnergruppe zu spielen ist schon relativ hart. Natürlich gab es hinweise darauf, dass unsere Auftragsgeberin Mist erzählt hat, aber letztlich schien sie selbst Opfer einer Täuschung gewesen zu sein.

    Auf der anderen Seite war die Konvergenz, die sich aber als klassischer Bösewicht präsentiert hat. Hier hätte es viel Fingerspitzengefühl gebraucht, um die Söldner zu überzeugen, dass die Konvergenz eine echte Alternative ist.

    Die Dorfbewohner waren halt Pfeifen. Sie hätten uns zwar auch bezahlt, aber da ist ja noch die Treue gegenüber dem Auftraggeber und vor allen Dingen gegenüber unserer Söldnergruppe, dem Ruf der Gruppe und unserer Zukunft in dieser Gruppe. Die Bezahlung hätte deutlich höher sein müssen als die ursprüngliche Bezahlung.

    Alternativ hätte sich herausstellen müssen, dass unsere Auftraggeberin böswillig handelt, womit ich zeitweise gerechnet habe(, weil ich das vermutlich so aufgezogen hätte). Auch wenn die Dorfbewohner irgendwie von dem (toten) Körper abhängig gewesen wären, wäre das noch eine Alternative gewesen. So wie sie sich präsentiert haben, wirkten sie halt mehr wie religiöse Spinner, die ohne ihre Anführerin draufgehen werden – egal ob sie den Körper haben oder nicht. Alternativ zerstreut sich der Kult in meiner Vorstellung und das wäre dann auch Verschwendung gewesen.

    Ich mag moralische Konflikte und wenn ich das Abenteuer jetzt irgendwann einmal leiten würde, würde ich wohl in den genannten Punkten etwas nachjustieren.

    Vielleicht helfen meine kurzen Gedanken noch einmal jemanden. : )

    Beste Grüße
    Sal

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    1. Kadomi Post author

      Sehr schöner Kommentar, danke Dir, Sal. Im Abenteuer selbst hat man eigentlich für das Dorf noch einiges an Möglichkeiten bekommen, die Gruppe großzügig mit Cyphern und Artefakten zu bestechen. Bei viel mehr Zeit hätte man sicher irgendwie eine emotionale Bindung an die Dorfbewohner schaffen können. Knackpunkt ist halt, dass einem die Dorfbewohner vermitteln, dass die Braut sie alle aus miesen Lebenssituationen rausgeholt hat, als ihre Beschützerin, und dass man das so positiv bewertet, dass man ihnen ihre Beschützerin zurückbringen möchte.

      Mit mehr Zeit wäre sicherlich auch mehr Bindung drin gewesen. Da würde ich beim nächsten Leiten ansetzen wollen, und sie vielleicht nicht ganz so als religiöse Spinner dastehen lassen. Hab mich auch ein wenig geärgert, dass ich den Anführer mit dieser Micky-Maus Stimme ausgestattet hatte. Dachte, dass ihr den Übersetzer niedlich finden würdet. 😉

      Dass man sich entscheidet, das Angebot der Konvergenz anzunehmen, gehört noch nicht mal zum moralischen Konflikt. Das Angebot ist so schlecht, und auf der Gut-Böse Skala ist dieser Verein so Schwarz, das macht wohl niemand. Man hätte aber die Leiche durchaus ausschlachten können. Ich dachte unser Automaten-Hasser Shade würde sie zerlegen wollen. 😉

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      1. Sal

        Hehe, ja aus Zeitgründen habe ich das gelassen. Hatte auch überlegt, das “Herz”-Artefakt-Dings zu entfernen, hinter dem die Typen hinterher waren und nur die ausgeschlachteten Überreste zurückzubringen, um so den Gewinn zu maximieren – wobei Ravi das bestimmt wieder verhindert hätte. Grund dafür war, dass ich wie bei der Antwort an Tim gesagt, davon ausging, dass die Adlige nicht viel mit dem Automaten zu tun hatte und vermutlich keine Ahnung hat, was dazugehört und was nicht. : D

        Ja, mit mehr Zeit hätte man noch viel mehr gemacht, aber die hatten wir ja nicht. Den Alte und sein Übersetzer fand ich super. Wir hatten, ich glaube das war auch beim Vortex-Abenteuer, eine Begegnung mit Klick-Klack, einem Irgendetwas, das nur in Klickgeräuschen geredet hat. Mit einem Cypher waren Übersetzungen möglich und “Dein Freund Klick-Klack” ist auch in Erinnerung geblieben. : D

        Um den moralischen Konflikt möglichst zeitsparend auszuweiten, könnte man den Jungen eventuell ausbauen. Ich nutze NSC-Kinder immer wieder total gerne. Egal was für Murderhobbos man so in der Gruppe hat, Kinder ziehen meistens: Kinder werden in der Regel nicht gefoltert oder gar geschlagen, wecken relativ zuverlässig Mitleid usw.

        Spontan hätte ich daher folgende Idee:
        A) Der Junge wird etwas eigenständiger: Er ist ja dort geboren und kann erzählen, wie gut es hier eigentlich ist. Er könnte auch erzählen, dass sein Vater schon immer Weidevieh halten wollte und die ersten Erwachsenen bereits Planen, Felder anzulegen – dafür müsste man eventuell diese apathische Trauer etwas entschärfen. Das würde mich als Spieler etwas offener machen, weil sie dann nicht ganz so fanatisch wirken würden.

        B) Gleichzeitig könnte man irgendwie vermitteln, dass das Artefakt im Inneren der Braut eine Art Energiequelle ist. Bspw. könnte die Braut hinter dem Altar einen Thron haben, auf dem sie einmal am Tag sitzen musste, um die Bewässerung oder ähnliches anzukurbeln und das Tal im Umfeld grün zu halten. (Das wäre zum Beispiel für Vieh und Weide interessant.) Das Artefakt muss daher im Dorf bleiben und gleichzeitig ist die Braut aus einem bestimmten Material, welches als einziges dafür bekannt ist, die Energie aus dem Artefakt irgendwie zu leiten. (Zum Beispiel zu Kontakten in der Armlehne.) Das würde dazu führen, dass man den Automaten als Leiter dort lassen muss oder wenigstens so stark beschädigen muss, um “Kabel” herzustellen, dass die Adlige nicht mehr zufriedengestellt werden kann.

        Das ist auf die Schnelle natürlich etwas plump, aber in die Richtung geht das bestimmt noch subtiler, wenn man mehr Grips reinsteckt. Aber das könnte eine starke Motiviation sein, “das Richtige” zu tun. (Eventuell kann man dann auch die mögliche Belohnung im Dorf sogar noch etwas reduzieren, um die Entscheidung nicht zu leicht zu machen. Das fällt mir nachträglich gerade schwer, einzuschätzen, wie ich mich da entscheiden würde.)

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  3. nurdertim

    ACHTUNG SPOILER

    Im Grunde genommen alles was Sal schreibt: der moalische Konflikt ist eindeutig, aber es gab eigentlich keinen, weil wir nun Mal Söldner und loyal gegenüber unserer Gruppierung sind. Hinzu kommt, das die Konvergenz zu sehr als Antagonist darsteht und die Dorfbwohner wie unter einer Hirnwäsche wirken. Dadurch fällt die Wahl eigentlich leicht.

    Ich finde aber auch, das es ein gelungenes Einstiegsabenteuer ist und, wenn man mehr Zeit hat, es gut als Beginn einer Kampagne taugen könnte, da es ja durchaus mehrere offene Fäden bietet: Hatte die Adlige wirklich nur eine Ersatztochter im Sinn als sie Braut erschaffen wurde? Wozu brauchte sie dann diese verschiedenen Köpfe? Was hat es mit dem sechsten Kopf auf sich? Was hatte die Konvergenz mit ihr vor? Lässt der Bann der Braut die Bewohner irgendwann wieder los?

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    1. Kadomi Post author

      Oh, du hast völlig Recht, Tim. Daraus kann man eine tolle Kampagne bauen. Was ist denn, wenn es ein Netzwerk dieser Automaten mit verschiedenen Köpfen gibt, die weltweit Leute zu sich holen. Zu welchem Zweck? Wer hat die Braut wirklich erschaffen? Sicher nicht die Adlige, der ist das von der Braut nur suggeriert worden. Was macht die Konvergenz hier, und suchen sie weitere Köpfe? Die könnte man schon als ultimative Gegenfraktion aufbauen. Dazu die Söldner-Geschichte, politische Machtkämpfe zwischen verschiedenen Söldnergruppen im vom Krieg zerrissenen Malevich, und und und.

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      1. Sal

        Das habe ich tatsächlich auch so wahrgenommen, dass die Adlige gar nichts mit der Braut genauer ihrer Erschaffung zu tun hatte. Aber als Einstiegsabenteuer finde ich es sehr gut, auch als Oneshot. Und die restlichen Fäden könnte man wunderbar weiterspinnen. : )

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