Wie Zombies mein Leben verändern

By | 27. September 2017

Reißerischer Titel, oder? Soll aber kein Clickbait sein, sondern ich möchte heute davon erzählen, wie ich in diesem Jahr mein Leben mit Hilfe von Zombies umgekrempelt habe.

Da ich mittlerweile Mitte 40 bin, und schon seit meiner Jugend viel zu viele Pfunde mit mir rumschleppe, hat mir mein Hausarzt im letzten Jahr von einem Programm des örtlichen Sportvereins erzählt. In diesem Programm namens ‘Von XXL zu L’ geht es um eine ganzheitliche Ernährungsumstellung mit dazugehörigem Sportprogramm. Das ganze Programm dauert ein Jahr. Dazu gehören 2 x die Woche Sport, in Form von einer Stunde Walking und 90 Minuten Gymnastik. Begleitet wird das ganze von gemeinsamen Kochabenden und Vorträgen zur Psychologie von Übergewicht, Motivationstraining, etc.

Auf Wunsch meiner besseren Hälfte habe ich mich zu diesem Programm angemeldet, und bin jetzt seit dem 24. Januar dabei. Schnell musste ich für mich feststellen, dass das Walking in der Gruppe für mich absolut ungeeignet ist. Zu Programmstart waren wir 2 Gruppen von TeilnehmerInnen, über 20 Leute, mit enormen Differenzen, was die Fitness angeht. Schnell war ich gefrustet, denn als bekennende Couch Potato war ich beim Walking immer das einsame Schlusslicht, mit einer Trainerin die mich beim Japsen motivieren durfte. Walking an sich fand ich cool, das ganze als Ereignis in der Gruppe eher weniger.

Aber da gab’s ja diese App von der meine Freundin Fi aus Schottland schon seit langem schwärmte, eine App, die aus ihr einen Fitness-Junkie gemacht hat: Zombies, Run. Das Konzept ist ebenso einfach wie genial: GPS-Tracking meets Zombie-Hörspiel.

Fitness App mit packender Story, das geht?

In dieser App ist man selber als Runner 5 bekannt. Zombies, Run hat (zumindest zu Anfang) als Setting eine kleine Gemeinde namens Abel Township im post-apokalyptischen England. In kleinen Gemeinden versucht man gemeinsam die Zombie-Apokalypse zu überleben, unterstützt von Läufern, die sich in die Wildnis wagen, um Ausrüstung zu sammeln, ohne von Zombies verspeist zu werden.

Zu Beginn des Trainings wählt man die Mission aus, die man als Runner 5 machen möchte. Dazu sucht man sich auch noch eine Playlist mit Musik aus, die man schon auf dem Handy hat, oder benutzt z.B. einen externen Player wie Spotify. Die Story-Missionen von Zombies, Run haben mittlerweile 6 Staffeln. Die erste Staffel hat z.B. 23 Folgen, neuere Staffeln haben mehr als 40. Man kann dann noch auswählen, ob man eine gewisse Zeit unterwegs sein möchte, oder ob man ein Kilometer Ziel hat. Ich verwende meist die voreingestellte Zeit für eine Mission, das sind meist zwischen 30-45 Minuten.

Das Story Missions-Menü

Wenn es dann losgeht, erhält man direkt die erste Einblendung in Form eines Mission-Briefings. Es dauert nur ein paar Folgen, bis man tief drin steckt in der Story, mit dem sympathischen Sam aus dem Funkturm, der bissigen Janine, anderen Runnern wie z.B. Runner 8, und man eine tiefe Abneigung für den Nachbarort New Canton entwickelt. Als Runner 5 findet man interessante Dinge, wie z.B. Hinweise auf den Patient Zero, der die Zombie-Apokalypse ausgelöst hat. Zwischendurch erfährt man aber auch, dass man in einer Siedlung voller Nerds lebt, wenn man als Runner 5 das letzte veröffentlichte Abenteuer zu D&D, dem weltbekannten Rollenspiel namens Demons&Darkness, aus einem ehemaligen Rollenspielladen retten muss. 😉 Die Story ist vielfältig, mal witzig, mal spannend, und auch mal tieftraurig.

Nach der ersten Einblendung wird die vorher ausgewählte Playlist abgespielt. Immer wieder erhält man zwischendrin weitere Story-Happen, bis die Mission abgeschlossen ist. Wenn man dann noch weiter laufen oder walken möchte, gibt es den Radio-Modus. Die Playlist läuft normal weiter, und als Einblendung hört man dann die beiden DJs von Abel, Jack und Eugene, die lustige Vignetten vom Leben nach der Zombie-Apokalypse erzählen.

Eins meiner persönlichen Highlights ist, dass sich die Ärztin der Siedlung, Maxine, als lesbisch herausstellt, und ihre Partnerin Paula aktiv in die Zombie-Geschichte involviert ist. Gibt’s eine ganz tolle Folge zu, ein Gänsehaut-Moment. Auch die beiden Radio Abel Jungs sind in einer Beziehung. So eine Nerd-App, die locker mit Homosexualität umgeht, erhält von mir einen absoluten Daumen nach oben.

Ich habe einen BH gefunden?

Während der gesamten Zeit sammelt man übrigens Vorräte, die man unterwegs findet, z.B. USB-Sticks, Wasser, Kleidung, oder auch mal einen Sport-BH (wtf) etc. Diese Vorräte kann man in einem Minispiel einsetzen, denn in der App hat man die Möglichkeit, Abel Township als Basis auszubauen. Nettes Gimmick, beeinflusst aber nicht den Rest der Story. Man sollte keinesfalls einen komplexen City-Builder erwarten.

Nach Abschluss eines Trainings kann man sich eine Karte der Strecke anzeigen lassen, mit Angaben zur Durchschnittsgeschwindigkeit, und einer einzelnen Auflistung der Dauer jedes Kilometers. Übrigens ist es Zombies, Run egal, ob man spaziert, walkt, joggt oder Fahrrad fährt. Wer Training in der Wohnung macht, kann auf Schrittmessung anstelle von GPS-Tracking umschalten. Wer gerne ein schärferes Training mag, kann den Chase-Modus aktivieren. Bei einer Verfolgungsjagd wird man von einer Horde Zombies gehetzt, und muss seine Geschwindigkeit im Vergleich zur vorher gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit erhöhen, um den Zombies zu entkommen. Gelingt dies nicht, stehlen diese einem Vorräte.

Seit Ende Januar setze ich diese App jetzt ein. Das Gruppen-Walking schenke ich mir schon seit dem Frühjahr, dafür gehe ich jetzt 1-2 mal die Woche mit den Zombies zum Nordic Walking los. Season 1 habe ich abgeschlossen, und mache gerade die Race-Missionen, die storymäßig Season 1 und 2 verbinden. Wer mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich 168 Kilometer zu Fuß zurücklegen würde, aus Spaß, den hätte ich ausgelacht. Für mich gehört der Sport jetzt zu meinem Leben, und wenn ich bei tollem Wetter bei uns flott durchs Naturschutzgebiet walke, glaube ich die Geschichten über Endorphinausschüttung beim Sport.

Mein Fitness-Level hat sich seit Januar sehr stark verändert. Ich habe konsequent an meiner Geschwindigkeit und Ausdauer gearbeitet, und es fühlt sich jetzt großartig an. Ich habe z.B. beim Walken keine quälenden Rückenschmerzen mehr. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Oberarm- und Oberschenkel-Muckis. Auch die Zahlen bei der Gewichtsabnahme sprechen für sich. Mein aktueller Stand ist, dass ich seit dem 24. Januar 27,5 Kilogramm abgenommen habe.

Hier mal ein direkter Vergleich meiner ersten Mission im Januar, und meiner letzten vom Sonntag. 🙂

Ende Oktober nehme ich nun an meinem ersten ZR Virtual Race teil. Für eine Teilnahmegebühr erhält man eine Sendung mit Goodies. Zum Virtual Race erhält man dann spezifische Story Missionen für einen 5k oder 10k Lauf. Absolviert man diese im entsprechenden Zeitraum, wird man auf ein weltweites Leaderboard eingetragen und darf sich stolz die Medaille umhängen. Meine beiden Läufer-Freundinnen aus Großbritannien sind auch dabei, und ich freue mich auch schon.

Die App gibt es übrigens für Android und ioS, und sie ist grundsätzlich kostenlos. In der kostenlosen Version kann man nur alle 6 Tage eine Story Mission machen, wobei man die ersten Missionen direkt erhält. Ansonsten muss man sich in der Zwischenzeit z.B. mit Supply Drops begnügen, in denen man nur Vorräte einsammelt, aber die Story nicht fortgesetzt wird. Mir ging die Warterei irgendwann auf den Keks, da ich mittlerweile auch häufiger unterwegs bin.  Also habe ich den Jahresbeitrag von 24,99 Euro bezahlt, um Zugriff auf alle Features zu erhalten. Mit der kostenlosen Version kommt aber auch bestens über die Runden.

Übrigens gibt es auch noch eine Schwester-App, Zombies, Run! 5k Training. Es handelt sich dabei um ein 8-wöchiges Programm, welches einen von der Couch auf eine Distanz von 5 Kilometern trainiert, mit eigenen Story Missionen und Anleitungen fürs eigentliche Training. Da aus mir niemals ein Läufer wird, habe ich sie nicht benutzt.

Also, worauf wartest du noch, Runner 5?

16 thoughts on “Wie Zombies mein Leben verändern

  1. Infernal Teddy

    Das wurde mir auch schon empfohlen, aber ih bin bisher nicht dazu gekommen es auszuprobieren, ich hänge einfach zu sehr an meinem schnellen Heavy metal und EBM fest 😉

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    1. Kadomi Post author

      Das schließt sich ja nicht aus. Dann hörst du halt Metal und EBM während deiner Missionen. Ich selber lausche während der Missionen meist meiner Lieblings-Elektroband Mesh. 😉

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  2. Thorsten

    Das klingt super, das probiere ich auch mal aus. Ich finde Laufen/Walken ansonsten nämlich super langweilig.

    Und du hörst Mesh? High 5! 🙂

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    1. Kadomi Post author

      Genau, walken ohne die App geht für mich gar nicht, so öde. Aber Mesh mit Zombies? Das geht immer. 🙂

      High 5 indeed! Mesh ist eine meiner Lieblingsbands und ich war auch schon auf vielen Konzerten der Jungs. 🙂

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  3. Jan

    Geil! Also sowohl deine Leistung als auch die Idee der App. Ich hab allerdings noch nicht so richtig kapiert, wie das funktioniert. Muss ich dann, um in der story voranzukommen bestimmte Distanzen/Zeiten/Geschwindigkeiten schaffen? Oder Läuft das einfach nebenbei und irgendwann hat man dann den nächsten Storypunkt erreicht und die Story geht weiter, egal wie lange oder schnell man unterwegs war?

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    1. Kadomi Post author

      Letztendlich läuft das einfach nebenbei, und ist völlig unabhängig von der Leistung, die man bringt. Das Konzept ist eher, dass man so in die Story vertieft ist, und wissen will, wie es weitergeht, so dass die Kilometer nur so vorbeifliegen. Die Geschwindigkeit spielt nur bei Verfolgungsjagden eine Rolle, und die sind optional, muss man also nicht machen.

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  4. Doctore Domani

    Klingt nach einer App, die so etwas wie Langzeitmotivation beim Laufen verspricht. Daran hapert es bei mir nämlich, höre meist nach 2-3 Wochen wieder auf. Werde ich mal ausprobieren.
    Hut ab vor Deiner Leistung!

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    1. Kadomi Post author

      Sag mal Bescheid, wie die App gefällt, würde mich interessieren. Bei mir ist sie definitiv eine Riesenmotivationshilfe. 🙂

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  5. Papierheldin

    Respekt vor deiner Leistung und danke für den super Tipp mit der App 🙂

    Ich laufe recht regelmäßig in meiner Mittagspause eine große Runde (acht Stunden sitzen macht Bewegungsdrang 😉 ) und wenn es da noch etwas spannendes auf die Ohren gäb… jetzt muss es nur noch auf meinem alten Smartphone funktionieren.

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    1. Kadomi Post author

      Dann drücke ich mal die Daumen, dass das auch auf deinem Handy klappt! 🙂

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