Durchgelesen: September-Ausgabe

By | 1. Oktober 2017

Jetzt habe ich schon seit August keine Rezension mehr geschrieben, habe aber natürlich weiterhin fleißig gelesen. Deshalb gibt es jetzt in einem großen Abwasch alles, was ich seit Ende August gelesen habe. Na dann mal los.

Shadows on the Moon von Zoë Marriot

Shadows on the MoonÄhnlich wie schon in Wie Monde so silbern von Marissa Meyers handelt es sich bei Shadows on the Moon um eine Neuerzählung von Aschenputtel. Im Gegensatz zu Cinders Story ist unsere Heldin Suzume aber nicht in der Zukunft angesiedelt, sondern lebt in einer Version des feudalen Japans. Da ich eine Schwäche für japanisch oder chinesisch angehauchte Fantasy habe, schnupper ich in solche Bücher immer gerne rein.

Suzume ist ein junges Mädchen, dass mitansehen muss, wie ihr Vater als Verräter getötet wird. Suzume überlebt nur unter etwas mysteriösen Umständen, durch den Einsatz von Schatten-Magie. Damit kann sie mächtige Illusionen herbeizaubern. Die zu der Zeit nicht anwesende Mutter heiratet nach dieser Tat recht schnell, und zwar den finsteren Lord Terayama. Dieser bedroht Suzume immer wieder, so dass sie sich vor ihm versteckt, indem Sie als stumme Aschenmagd in der Küche arbeitet. Später muss sie weiter fliehen, nimmt aber an einem Wettbewerb teil, die Schattenbraut des Mondprinzes zu werden, damit sie sich an Terayama rächen kann.

Mir hat das Buch sehr gefallen. Es hatte einen für mich sehr lyrisch wirkenden Stil. Für einen YA-Roman sehr gelungen. Die Story ist aber nur sehr sehr locker an Aschenputtel angelehnt und bringt viele eigene Feinheiten mit. Von mir gibt es (4 / 5).

The Chathrand Voyage von Robert V.S. Redick

The Night of the SwarmIm August hatte ich ja bereits den 2. Band dieser Reihe rezensiert. In der Zwischenzeit habe ich die beiden weiteren Bände The River of Shadows und The Night of the Swarm gelesen, die die Serie abschließen. Beide Romane sind besser als der 2. Band, was mich sehr gefreut hat. In The River of Shadows teilt sich die Handlung etwas auf. Bis zur Hälfte sind wir eigentlich fast ausschließlich auf der Chathrand unterwegs, die auf dem bisher unbekannten Kontinent Bali Adro angekommen ist. Jedoch lassen sich hier keine Verbündeten finden, denn die Machthaber von Bali Adro arbeiten eng mit den Zauberern zusammen, und der Bösewicht der Reihe, Arunis, stammt scheinbar ursprünglich von hier. Später flieht Arunis mit dem magischen Artefakt, dem Nilstone, ins Innere des Kontinents, und unsere Helden folgen ihm.

Das letzte Viertel des Buchs hat mich richtig mitgerissen, denn die Abenteuer folgen Arunis durch einen mysteriösen Wald namens Infernal Forest, der aus Numenera stammen könnte. Merkwürdig, fantastisch, und gefährlich. Jetzt möchte ich direkt ein Abenteuer leiten, dass durch einen Wald aus Riesenpilzen führt.

Der abschließende Band ist für mich eine große Homage an den Herrn der Ringe. Aus Thasha wird der Frodo der Serie, die die Aufgabe hat, den Nilstone auf eine Insel zu bringen und dort in den River of Shadows zu werfen, damit dieses gefährliche Artefakt nicht die Welt zerstört. Nur so lässt sich der Schwarm aufhalten, der droht, die gesamte Welt zu zerstören. Die Parallelen sind teils etwas extrem. Anstelle von Elben haben wir Selk, die in einer geheimen Stadt leben, und als man über schneebedeckte Berge zieht, muss das Gandalf-Äquivalent Ramachni einen gefährlichen Balrog Dämon aufhalten und stürzt dabei in einen Abgrund.

Insgesamt bringt der letzte Band einen Abschluss zur Reihe, der mich zufrieden gestellt hat, und das Ende hat mich auch sehr traurig gemacht. Nur wenn Charaktere einem auch ans Herz gehen, ist eine Serie wirklich gut. Die Reise der Chathrand sind vier ungewöhnliche Fantasy-Bücher, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass man hier vielleicht mehr lektoriert hätte. Vieles war zu unnötig lang, vor allen Dingen in Band 2, aber auch Band 3. Und so war die Reihe für mich sehr gut, aber nicht so grandios, wie ich mir nach dem ersten Roman erhofft hatte. (4 / 5)

Santa Olivia von Jacqueline Carey

Santa OliviaDieser Roman hat mich etwas aus den Socken gehauen, denn ich habe hier eigentlich nur Durchschnittskost erwartet, und wurde dann erstaunlich mitgerissen.

Die Handlung spielt in Santa Olivia, ehemals Texas, jetzt nur ein Außenposten mit Militärbasis im Niemandsland zwischen den USA und Mexiko, direkt an der Mauer. Anscheinend ist Frau Carey Hellseherin, denn bereits 2009 platzierte sie in ihrem dystopischen Roman eine Mauer zwischen diesen Ländern. Eine Pandemie hat das meiste Leben in der Region ausgelöscht, und nun regiert hier die eiserne Hand des US-Militärs. Außer den Bars für die Soldaten gibt es hier als Zerstreuung nur Boxkämpfe. Die Einwohner treten hier gegen US-Soldaten an, denn sollte jemals einer von ihnen gewinnen, so lockt ein Ticket für die Einreise in die USA, hinaus aus der Armut und fort von den Gangkriegen, die Santa Olivia dominieren.

Carmen Garron ist eine Kellnerin, die sich alleine mit ihrem Sohn durchschlägt, bis sie einen mysteriösen Fremden auf der Flucht kennen lernt. Dieser Fremde war Bestandteil eines Programms, in dem Genexperimente durchgeführt wurden, und die aus diesem Fremden eine Art Werwolf gemacht haben, übernatürlich schnell und stark. Er muss fliehen, nachdem Carmen bereits schwanger von ihm ist. Somit betritt die eigentliche Protagonistin die Bühne: Loup Garron.

Nach dem Tod ihrer Mutter wächst Loup als Waise in der Kirche auf, gemeinsam mit anderen Waisenkindern. Loup wächst in ihre neue Rolle, als Santa Olivia, die mit den anderen Kindern Selbstjustiz ausübt, und sich an Soldaten rächt, die die Einwohner schlecht behandeln.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber dieser Roman hat irgendwie alles richtig gemacht für mich. Sehr gut geschrieben, interessante Charaktere in der Form der Santitos, der Waisenkinder von Santa Olivia. Charaktere sind nicht schwarz und weiß. Dazu kommt noch die ganze Boxerei, denn Loup trainiert für ein Ticket aus Santa Olivia, und somit hat die Story einen Touch von Rocky Balboa. Außerdem hat mir die Romanze des Romans zwischen Loup und Pilar sehr gut gefallen. Kurzum, für mich hat dieser Roman (5 / 5) verdient.

Salute the Dark von Adrian Tchaikovsky

Ich bin wirklich dankbar, dass ich englisch so gut beherrsche, dass ich nicht von Übersetzungen abhängig bin. Deutsche Übersetzungen von Fantasy-Romanen treiben mich regelmäßig in den Wahnsinn. Die Eigenart deutscher Verlage aus einem Roman in der Übersetzung 2-3 Romane zu machen, waren für mich in den 90ern der Anlass auf Originale umzuschwenken. Außerdem muss ich dann nicht inmitten einer Serie aufhören, weil es keine weiteren Übersetzungen gibt. So auch geschehen bei den Schwarmkriegen von Adrian Tchaikovsky, einer sehr ambitionierten Fantasy-Reihe in 10 Bänden (im Original Shadows of the Apt). Der Heyne-Verlag hat die ersten drei Bände in insgesamt fünf Romanen übersetzt, und dann mitten in der Story abgebrochen. Das tut mir für die deutschen Leser leid, denn der erste Handlungsbogen der Serie findet erst mit Band 4, Salute the Dark, seinen Abschluss.

Die Welt der Serie ist ungewöhnlich, eine Fantasy-Welt ohne 08/15 Rassen. Bevölkert wird die Welt von verschiedenen Rassen, die als Kinden bezeichnet werden.  Es handelt sich um eine Kreuzung von Menschen mit Insektenfähigkeiten. Als Beispiel sind z.B. alle Ameisen-Kinden einer Stadt telepathisch verbunden, Fliegen sind fliegende Kundschafter, Wespen können mit Stachel angreifen, etc. Diese Kinden teilen sich weiter auf, in Begabte und Nichtbegabte. Begabte haben keinerlei magischen Fähigkeiten, können dafür aber mit mechanischer Technik umgehen und erschaffen. Die alten Rassen, z.B. Motten und Mantis, beherrschen Magie, und können Technik nicht verwenden.

Zu Beginn der Serie startet eine Invasion. Das Tiefland wird plötzlich von den Wespen überrollt, eine aggressive Rasse, die modernste (Steampunk)-Technik gegen ihre Feinde einsetzen. Bedroht wird auch Collegium, eine Universitätsstadt der Käfer. Dort ist Stenwold Maker Dozent, und er hat bereits Erfahrung mit dem Expansionsdrang der Wespen. Er bildet eine Gruppe Schüler zu Spionen aus und versucht die Wespen aufzuhalten.

Innerhalb der ersten vier Bücher kommt es zu einem großen Krieg gegen die Wespen.  Massive Zerstörung und Verlust von Menschenleben folgen. Zum Teil liest sich das ganze eher wie ein Weltkriegsroman. Aber bei den Wespen brodelt es intern. Mithilfe von alter Magie der Moskitos gibt es ein Komplott gegen den Imperator der Wespen, mit Stenwolds Spionen mittendrin. Gegen Ende von Salute the Dark ist der Krieg beendet, zu einem hohen Preis für beide Seiten. Wie es jetzt mit der Serie weitergeht, kann ich noch nicht einmal erahnen. Die Insektenrassen und der Steampunk-Touch sind ungewöhnlich und sehr cool. Ansonsten war mir das ganze in diesem Roman vielleicht zu martialisch. Die vielen Perspektivenwechsel mit Unmengen an Charakteren waren mir auch ein bisschen viel. Trotzdem bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Salute the Dark bekommt von mir (3 / 5), die Serie bisher insgesamt (4 / 5).

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.